Donnerstag, 6. Dezember 2018

HYMNE AN DEN SOMMER 2018

Licht
flutet
Wärme
Hüllt ein
Ich bin da
Jetzt
Ich lebe
Rieche
Sehe
fühle
Nehme wahr

schlürfe
Helligkeit
als Labsal
Bade im
Sonnenglanz

Atme
Tief ein
Atme auf
Atme
aus

Donnerstag, 15. November 2018

HERBST NIMMT RAUM

Das Licht wird blass
Wie blindes Glas...
Bunt gefärbtes
Taucht in Nass
Herbst nimmt Raum
In Starre fällt
Der kahle Baum -
Blätter zahllos
Zu seinen Füßen...
Wohl wissend,
dass sie
Sterben müssen
Welken klaglos
- ohne Gestöhn
...
Selbst im
Vergehen
Sind sie
schön!

Donnerstag, 25. Oktober 2018

ER

Ich hatte ihn nicht eingeladen. Doch vor 15 Jahren war er plötzlich da. Unerwartet, und unverhofft: Zwar hatte ich schon viel von ihm gehört, aber persönlich kennenlernen wollte ich ihn eigentlich gar nicht. Und doch, gleich bei unserer ersten Begegnung mit ihm war ich wie vom Blitz getroffen!

Sofort bestimmte er mein Leben. Er verfolgte mich auf Schritt und Tritt, verschaffte sich rücksichtslos Platz und Einfluss in meinem Alltag, nahm mir meine Freiheit.

Meine Freunde und Familie waren natürlich sehr besorgt. Doch helfen, konnten Sie mir nicht. Auch der Gang zum Therapeuten – wirkungslos. Statt endlich wieder zu gehen, zog er bei mir ein. Er hatte sich fürs Zusammensein mit mir entschieden – und er ist geblieben!

Dabei weiß ich gar nicht, was er an mir findet – doch scheint er an mir einen Narren gefressen haben! Er spielt mit mir, diktiert die Regeln, bestimmt das Geschehen, zeigt mir immer wieder meine Grenzen auf. Jeden Tag bedrängt er, beengt er, beschränkt er mich.

Dann plötzlich, verschwindet er aus meinem Leben. Tage und Wochen vergehen, doch er bleibt weg, meldet sich nicht mehr.

Ich fühle mich wie neu geboren, kann aufatmen und schöpfe Hoffnung, seiner Tyrannei endlich entkommen zu sein.

Doch die Erleichterung währt nur kurz: Denn so überraschend, wie er verschwunden war, kehrt er wieder zu mir zurück. In meinem eigenen Zuhause überfällt er mich aus dem Hinterhalt, erschüttert mich bis ins Innerste. Wieder kann ich ihm nicht entkommen, sofort hat er mich zurückerobert. Immer fester hält er mich fest im Griff, immer mehr isoliert er mich von den anderen, macht mich einsam und verzweifelt.

Er nebelt mich ein, er lässt mich erstarren und er zittern; er bedroht und quält mich, raubt mir fast den Verstand, erschöpft mich, macht mich stumm und bringt mich zum Weinen. Er frisst mich auf – ich bin seine Gefangene. Er beansprucht mich nun ganz für sich, duldet nichts und niemand neben sich, wird zum alleinigen Herrscher!

Nein, ich habe ihn nie auserwählt, mich nie für ihn entschieden, ihn nie vermisst. Ganz im Gegenteil: Ich kann ihn nicht leiden, seine Präsenz kaum ertragen: Ich hasse ihn und seine Grausamkeit! Immer wieder suche ich deshalb einen Weg, der es mir endlich ermöglicht, mich von ihm trennen, ihn aus meinem Dasein zu verbannen, ihn loszuwerden - für immer!

Das stört Ihn freilich nicht; er sucht weiter meine Nähe mit penetranter Beharrlichkeit; Er will dass ich nicht dauernd mit ihm hadere, sondern JA zu ihm sage, akzeptiere, dass er Bestandteil meines Lebens ist!!!

Er, der Schmerz!


(Susanne Rafael, im Oktober 2018)

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Abenddämmerung (leicht verfremdet)

(S.Rafael: Abenddämmerung (leicht verfremdet) - Photo/WhatsApp-Bearbeitung 2018)

Dienstag, 10. Juli 2018

Immerwährendes Gebet der Festung Europa

Herr,
im Himmel

meinetwegen
erbarme
Du
dich
der Flüchtlinge:

Was ihr getan habt
einem von diesen
meinen geringsten
Brüdern,
das habt ihr mir getan.
*

Aber lass uns
den Reichtum,
die Macht
und die
Herrschaftlichkeit

lass uns in Ruhe!
In Ewigkeit
Amen



(*Matthäus 25, 40)

Samstag, 2. Juni 2018

"Ein Zeichen sind wir, deutungslos" 

1. Teil: KONTRA . PUNKT 16.00 – 17:00 Uhr 

Performance mit Mechthild Quander (Flöten), Thomas Schnellen (Perkussion), Thomas König (Saxophon und Bassklarinette) und Gregor Bohnensack (Stimme und Trompete). Ausgehend von Textfragmenten (u. a. von Friedrich Hölderlin und Silvia Plath) improvisieren die Musikerin und die Musiker. Mit den Textfragmenten kommen Stimmen zu Wort, die in Opposition zur Mehrheitsgesellschaft ihrer Zeit standen. Die Akteure kennen sich über den Impro-Treff Münster. Ihre Interaktion entsteht aus dem Augenblick.

2.Teil: KOMA! 17:15 -18:00 Uhr 

Lesung (mit Susanne Rafael) und musikalischer Begleitung (Gregor Bohnensack). Im Mittelpunkt steht die Rezitation von Texten aus ''Kopfzerbrechen'. In dem Buch behandelt Rafael ihren schweren Autounfall mit seinen Folgen. Außerdem liest die aus Wien stammende Autorin Lyrik. Musikalisch begleitet wird sie von Gregor Bohnensack.

Sonntag, 10. Juni 2018, 16 Uhr

Hebammenpraxis Anne Bode, Königsweg 13, 48153 Münster
Der Eintritt ist frei.